Luchs – Biologie und Verhalten

Lebensraum

Luchse können sich flexibel an diverse Umweltfaktoren anpassen, was an ihrem großen Verbreitungsgebiet ersichtlich ist. Drei Anforderungen muss der Lebensraum aber bieten: Genügend Deckung zum Anpirschen, ausreichend Beute und Schutz vor vermehrter menschlicher Störung. Sie leben bei uns in Wäldern, jedoch ohne wirkliche Bevorzugung eines bestimmten Wald Typs. Die beste Voraussetzung bieten strukturreiche Wälder. Generell kommen Luchse in Gebieten mit mehr als 50% Waldanteil häufiger vor.

Aussehen, Körperbau, Charakteristik

Nach Bär und Wolf sind Luchse die drittgrößten Beutegreifer in Europa. Sie besitzen ein typisches Aussehen, mit ihren schwarzen Haarpinseln an den Ohren, dem Stummelschwanz mit schwarzer Spitze und dem Backenbart. Luchse haben eine Körperlänge von 80 bis 110 cm und eine Schulterhöhe von ca. 55 cm, Männchen sind etwa um ein Fünftel größer als Weibchen. Die breiten Pfoten sind mit dichten Haaren bewachsen, was das Laufen im Winter bei Schnee („Schneeschuhe“) stark erleichtert. Das Fellmuster ist sehr variabel. Skandinavische oder auch gebirgsbewohnende Individuen habe ein eher blasses, wenig geflecktes Fell. In den Karpaten sind ein stark geflecktes, eher rotbraunes Fell vorherrschend. Die Musterung ist individuell und lässt so eine eindeutige Identifizierung einzelner Tiere zu.

Sinne, Leistungsfähigkeit

Luchse sind sehr gut an die Jagd bei Nacht angepasst. Sie sehen in der Dunkelheit um ein Vielfaches besser als der Mensch und haben auch ein sehr viel feineres Gehör. Der Geruchssinn spielt dafür, bezogen auf die Jagd, im Vergleich zu Wölfen, eine eher untergeordnete Rolle. Für die innerartliche Kommunikation haben Gerüche eine höhere Bedeutung, hier spielen z. B. Duftmarkierungen eine große Rolle bei der Abgrenzung und dem Erhalt der Streifgebiete. Eine Besonderheit sind die typischen Schnurrhaare, die eigentlich einen siebten Sinn bilden. Sie sind im vorderen Bereich des Körpers konzentriert, besonders an Kopf und Schnauze, aber auch an den Vorderbeinen. Diese Haare reagieren empfindlich auf Scherreize, so können sogar Luftströmungen registriert werden. Dies unterstützt die Jagd bei Dunkelheit, sogar blinde Tiere können so Hindernisse vermeiden.

Sozialverhalten

Luchse sind Einzelgänger. Männchen und Familiengruppen leben getrennt. Jedoch umfasst das Streifgebiet eins Männchens, dass mehrerer Weibchen.
Die Paarungszeit dauert von Februar bis März, Anfang Juni werden 1-4 Jungtiere geboren, welche Nesthocker sind. Im Alter von ca. zwei Wochen öffnen sie ihre Augen. Sie müssen rund sechs Mal am Tag gesäugt werden und das für ca. viereinhalb bis sechs Monate. Die Luchsin trägt kein Fleisch herbei, im Alter von ca. neun bis zehn Monaten ist der Zahnwechsel abgeschlossen und die Jungen können selbstständig Tiere erbeuten. Ab September folgen sie bereits der Mutter auf Streifzügen und verlassen Sie im darauffolgenden Frühjahr auf der Suche nach einem eigenem Streifgebiet. Der Körperwachstum insgesamt ist jedoch erst nach ca. zwei Jahren abgeschlossen.

Ernährung und Jagdverhalten

Wie alle Katzenarten sind Luchse reine Fleischfresser. Sie sind Ansitz- und Pirschjäger, die sich ihrer Beute unter der Ausnutzung von Deckungen auf wenige Meter nähern, um diese überraschend zu überwältigen und meist mit einem gezielten Biss in die Kehle zu erlegen. Dies steht im Gegensatz zu den Hundeartigen wie dem Wolf, der seine Beute meist über weite Strecken hetzt.

Bevorzugte Beute sind hauptsächlich Rehe oder Gämsen. Sie können sich aber auch von kleineren Tieren wie Hasen ernähren, was sich jedoch in der Körpergröße der entsprechenden Luchse widerspiegelt. Das Spektrum an Beutetieren kann sich allgemein von einer Maus bis hin zu einem Elchkalb erstrecken. Bevorzugt werden kleine Huftiere, die etwas mehr wiegen als der Luchs selbst. Der Nahrungsbedarf liegt etwa zwischen 1,1 und 2,7 kg Fleisch. Das bedeutet, dass ein Luchs im Durchschnitt zwischen 45 und 57 Rehe pro Jahr erlegen kann.
Die Größe des Jagd- bzw. Streifgebietes ist eng an die Dichte der möglichen Beutetiere gekoppelt: Je höher die Dichte, desto kleiner die Streifgebiete. Die größten findet man in Nordskandinavien mit 500 bis 1500 km², die kleinsten bei uns in Mitteleuropa mit 100 – 450 km². Es ist somit von einer Dichte zwischen 0,1 und 4,2 Luchsen pro Quadratkilometer auszugehen.

Quellen:
Heurich, M. (Hrsg.), 2019: Wolf, Luchs und Bär in der Kulturlandschaft. Konflikte, Chancen, Lösungen im Umgang mit großen Beutegreifern. Praxisbibliothek Naturschutz und Landschaftsplanung, herausgegeben von Prof. Dr. E. Jedicke. Ulmer-Verlag. Stuttgart. 287pp.
Animal Diversity Web (ADW): https://animaldiversity.org – University Michigan, Museum of Zoology.
Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE) https://www.lcie.org/Largecarnivores/Eurasianlynx.aspx

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