Herdenschutz

@ Österreichzentrum Bär Wolf Luchs

Herdenschutz umfasst alle Maßnahmen, die geeignet sind, Weidevieh vor Schäden durch Beutegreifer zu bewahren und das Risiko solcher zu minimieren.
Dies kann durch Vorbeugung oder aktive Abwehrmaßnahmen geschehen.

Die häufigsten Maßnahmen sind der Bau von Zäunen und die Umsetzung von angepasstem Weideverfahren. Diese sind im Idealfall ein Teil des Herdenmanagements und werden nicht mehr als zusätzliche Aufgabe empfunden. Bei den Vermeidungsstrategien sind auch Maßnahmen im Rahmen des Weideverfahrens denkbar, z. B. die regelmäßige Nutzung von Nachtpferchen oder Stallungen während der Nacht.

Ausgangsbasis

Angriffe von Beutegreifern auf Nutz- oder Haustiere kommen in seinem gesamten Verbreitungsgebiet vor und bergen großes Konfliktpotential, auch wenn in einem bestimmten Gebiet keine solchen konkret nachgewiesen wurden. In Österreich kann jederzeit überall ein Wolf auftreten.

Es zeigt sich, dass die von Beutegreifern verursachten Schäden häufig nicht so sehr ein ökonomisches, sondern ein emotionales Problem darstellen (Walther, 2014). Diese Art von Verlusten ist finanziell für die Besitzer de facto nicht kompensierbar, was die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen zur Verhinderung solcher Schäden an Nutz- und Haustieren umso dringender macht. Schäden lassen sich dadurch zumindest minimieren, wenn nicht in manchen Fällen sogar vollständig vermeiden. Dies zeigen Schutzmaßnahmen in Ländern, in denen Beutegreifern wie z. B. der Wolf nie ausgestorben waren (z.B. Rumänien, Bulgarien) aber auch neu eingeführte Methoden im Rahmen von Projekten, wie etwa in Norwegen oder der Schweiz.

In einer Kulturlandschaft sind große Beutegreifer jedoch auch auf die Toleranz des Menschen angewiesen. In jedem Fall ist es notwendig, Beutegreifern, speziell dem Wolf, Grenzen aufzuzeigen und Weidetiere zu schützen. Diese müssen durch Schutzmaßnahmen eine mühsame Beute sein. Quer durch alle gefundenen Projekte und daraus abgeleiteten Empfehlungen kann gesagt werden, dass Herdenschutzhunde und Elektrozäune den besten Schutz bieten, für den Tierhalter bedeutet dies allerdings einen erheblichen Mehraufwand (Walther, 2014).

Für eine gemeinsame Gesprächsbasis ist klarzustellen worüber man spricht

Nachfolgend helfen uns dabei folgende Definitionen:

Herdenmanagement umfasst alle Tätigkeiten direkt am bzw. für das Tier und bestimmt damit auch die Zusammensetzung der Herde, um diese unter den Bedingungen des angewendeten Haltungssystems fit zu halten. Darunter fallen alle tiergesundheitlichen und pflegerischen Maßnahmen, zusätzlich zur Zusammenstellung einer konkreten Herde für eine Weidesaison in einem bestimmten Gebiet mit seinen Bedingungen. Das Herdenmanagement zielt auf das Tierwohl ab, um einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen.

Der Begriff Weideverfahren beschreibt Techniken und Prozesse, wie landwirtschaftliche Nutztiere in Zeit und Raum gehalten werden, um konkrete Ziele zu erreichen. Über das Weideverfahren wird festgelegt, wie, wann, was, wie viel und wo die Tiere weiden können (Allen et al., 2011). Eng mit dem Weideverfahren ist das Weidemanagement verbunden.

Weidemanagement umfasst alle Maßnahmen zur Pflege und zum Erhalt von Weideflächen. Diese betreffen den Boden, die vorkommenden Pflanzen und auch Tiere. Das Ziel des Weidemanagements ist es, eine qualitativ hochwertige, für eine Beweidung bestens geeignete Weidefläche langfristig zu erhalten. So wie das Herdenmanagement auf das Tierwohl abzielt, ist das Weidemanagement darauf ausgerichtet, gesunde Pflanzenbestände als Basis für die Ernährung der Weidetiere zu erhalten.

Herdenschutzhunde werden gehalten, um Nutztiere vor Bären, Wölfen, streunenden Hunden, aber auch vor Viehdieben zu schützen. Es sind keine Treib- oder Hütehunde, dafür wurden und werden kleinere und wendigere Rassen eingesetzt. Herdenschutzhunde sollen Angreifer melden und gegebenenfalls vertreiben, sie jedoch nicht angreifen (passive Verteidigung). Käme es zum Angriff und zur Verfolgung, würde die Herde allein zurückbleiben und ihr Schutz wäre nicht mehr gewährleistet (Walther & Franke, 2014). Bis in die Gegenwart wurden Hunde, die zum Schutz von Herden eingesetzt werden, von Hirten nach ihrem physischen Erscheinungsbild, ihrem Verhalten als Welpe und ihrer Arbeitsleistung selektiert. Es wurden Hunde verwendet und an die Erfordernisse angepasst, die lokal vorhanden waren. So entstand ein Stamm von Tieren, der sehr unterschiedlich im Erscheinungsbild ist, aber gleichmäßig in seiner Funktion, eine so genannte “Landrasse”.

Hütehunde unterscheiden sich grundlegend von Herdenschutzhunden. Altdeutsche Hütehunde wie z. B. der Deutsche Schäferhund oder der Border Collie werden für die Herdenführung eingesetzt. Sie sind auf den Schäfer fixiert und erfahren von ihm eine intensive Ausbildung, sie gehorchen seinen Anweisungen und führen diese selbstständig aus. Die Ausbildung erstreckt sich etwa über zwei Jahre, je nach Individualität des Hundes. Hütehunde werden im Gegensatz zu den Herdenschutzhunden nach getaner Arbeit dem Zwinger zugeführt oder abseits des Pferches untergebracht.

 

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner